Mein Dexcom G4 goes Smartphone

 xDrip – mein Aufbruch in Richtung Closed Loop

Wenn man jeden Tag seinen Blutzucker managen muss, freut man sich über jedes Mittel, das einem dabei behilflich ist und von Berufswegen stehe ich technischen Neuerungen sowieso sehr aufgeschlossen und neugierig gegenüber. Ich bin als Maschinenbauingenieur zwar kein Elektronikfachmann aber begeisterter Modellbauer, der sich gerne mit digitaler Steuerungstechnik beschäftigt. Allerdings habe ich mich bislang mit der ganzen Closed Loop Thematik rund um die DIY Szene im Diabetesbereich nicht wirklich beschäftigen wollen. Es gab zu viele andere offene Baustellen. Kürzlich hat es mich dann aber doch gepackt, nachdem bereits einige Blognachbarn das Thema aufgegriffen haben.

Das xDrip Modul und die xDrip+ App auf dem Smartphone

Das xDrip Modul und die xDrip+ App auf dem Smartphone

So z.B. Steffi von Diabetes-leben.com : Wenn Diabetiker das Schicksal selbst in die Hand nehmen.
oder Sascha von Sugartweaks : DIY – Welches Closed Loop System

Obwohl die offenen Baustellen nicht wirklich weniger geworden sind habe ich mir die xDrip Geschichte mal näher angeschaut.


xDrip – nichts Neues für Insider – für mich ein weiterer Meilenstein

Was ich hier beschreibe ist für Leute, die sich damit bereits beschäftigen,  schon fast ein alter Hut und betrifft auch nur den Anfang eines Weges, der noch sehr interessant werden dürfte. Andererseits gibt es sicher noch genügend Menschen mit Diabetes, die davon noch nichts gehört haben oder damit noch nicht in Berührung gekommen sind. Für mich ist es jedenfalls ein Meilenstein in der Geschichte meiner Diabetestherapie, ähnlich dem Einsatz meiner Insulinpumpe oder meines CGM Systems.

Da die ganze Thematik für mich Neuland war, musste ich mich erst einmal schlau machen, welche  Lösung für mich und mein eingesetztes Equipment benötigt wird.
Da ich ein Dexcom G4 System einsetze, war schnell klar, dass ich ein xDrip benötige um die CGM Daten aufs Smartphone zu bekommen. Im Gegensatz zum G5, dessen Transmitter selbst per Bluetooth Daten an die Dexcom Smartphone App versenden kann, muss man eine Möglichkeit schaffen, die Daten des Transmitters auf einem anderen Gerät als dem systemeigenen G4 Empfänger zu empfangen.

Ein einfacher Weg seine CGM Daten aufs Smartphone zu bekommen

In der Hoffnung Anderen, die sich davor scheuen technisches Neuland zu betreten, eine Motivation zu geben sich ebenfalls auf den Weg zu machen, habe ich im folgenden Mal meinen Aufbruch  dokumentiert um zu verdeutlichen, dass

es gar nicht so schwer ist so etwas zu verwirklichen.

Typische Anzeige des xDrip+ Screens mit prognostizierter BZ Entwicklung.

Typische Anzeige des xDrip+ Screens mit prognostizierter BZ Entwicklung.

#wearenotwaiting – je mehr Leute mitmachen um so interessanter wird es für die kommerziellen Hersteller das anzubieten, was der Anwender wirklich möchte. Bis dahin zeigen wir mit Eigeninitiative was geht wenn man es richtig anpackt.
Und wenn man erst einmal mit dem xDrip losgelegt hat, ist der Weg zum OpenAPS schon ein Stück kürzer.

Dexcom G4 und Android Smartphone

Das ist also die Kombination, die ich hier kurz vorstelle. Wie schon weiter oben erwähnt, kann das G4 nicht direkt mit einem Handy ausgelesen werden. Dazu braucht man ein xDrip Modul. Das ist ein elektronisches Gerät das die Signale des G4 Transmitters “mitliest” und an ein anderes Gerät weitergeben kann. Das kann entweder per Bluetooth geschehen, aber auch per GSM oder WiFi. Für welchen Weg man sich entscheidet hängt davon ab, was man damit erreichen möchte.
In meinem Fall lag der Fokus darauf die CGM Daten direkt auf dem Smartphone anzuzeigen statt auf dem Dexcom Receiver.
Im Internet findet man etliche Bauanleitungen verschiedener Ausführung um sich das xDrip Modul selbst zu bauen. Ich habe es mir einfach gemacht und mir ein fast fertiges xDrip Modul von Steve Wood besorgt.

Fast fertiges xDrip Modul

Auf der Internetseite von Steve – https://xdripkit.co.uk/ – findet man aktuell 4 verschiedene Kits. Ich habe mich für das xDrip Kit 1000 entschieden. Ein Kit das alles enthält, was man braucht um die CGM Daten wie gewünscht per Bluetooth aufs Smartphone zu übertragen. Man muss lediglich das Wixel – heißt es eigentlich das Wixel oder vielleicht die oder der ? – auf die Platine löten. Das ist nicht besonders schwierig und wird auch in einem kleinen YouTube Clip von Steve gezeigt.

xDrip Kit Lötanleitung

Bei der Bestellung kann man bereits den Code seines G4 Transmitters angeben und man erhält das Wixel schon mit den korrekten Daten vorbereitet geliefert.
In meinem Fall war die Transmitterbatterie gerade leer und ich habe auf die Lieferung eines neuen Transmitters gewartet, dessen Code ich natürlich noch nicht kannte. So konnte ich dann gleich probieren, wie das funktioniert, wenn man später einmal einen neuen Transmitter im Wixel codieren muss.

Wixel “programmieren”

Um das Wixel zu programmieren benötigt man 2 Dinge.
– eine Firmware mit dem korrekten Code des G4 Transmitters
– eine Software um die Firmware im Wixel abzuspeichern

Die Firmware bekommt man ebenfalls auf der Webpage von Steve Wood.
Firmware für das Wixel mit eigenem Transmitter Code
Dort kann man den G4 Code eingeben und dann die entsprechende Firmware direkt downloaden.
Auf der selben Seite findet man auch den Link zur Internetseite des verwendeten Wixels mit Spezifikationen und Infos dazu. Hier findet man auch die Software die man benötigt um die Firmware aufs Wixel zu kopieren.

xDrip programmieren

Zum Programmieren wird das Wixel per USB mit dem PC verbunden

Pololu Wixel Configuration Utility

Ansicht des Pololu Wixel Configuration Utilities

Sobald das Wixel per USB Kabel angeschlossen ist sollte es von der Soaftware erkannt und im linken Fenster angezeigt werden. In das rechte Fenster zieht man die Firmwaredatei per drag & drop hinein und kopiert sie mit dem Schreibbefehl ins Wixel. Das war’s schon.

Der CGM Empfänger auf dem Smartphone – xDrip+

Wenn man jetzt noch den Akku mit dem mitgelieferten Ladekabel auflädt, sollte das xDrip Modul in der Lage sein die Daten des G4 Transmitters zu empfangen.
Jetzt benötigt man noch eine App fürs Smartphone mit der man den Dexcom Empfänger ersetzt. Die bekommt man unter dem folgenden Link ganz einfach indem man den QR Code auf der Seite scannt.

Download xDrip+ App

Sobald die App installiert ist sollte man noch die Datenquelle eingeben. In diesem Fall ist es das Bluetooth Wixel. Sobald man am Smartphone Bluetooth aktiviert hat kann man mit der App nach dem Wixel suchen und die Verbindung herstellen lassen.

Einstellung des Bluetooth Wixels als Datenquelle

In der xDrip+ App muss der Bluetooth Wixel als Quelle ausgewählt werden.

Infos zur xDrip App gibt es hier : xDrip

Einstellungen xDrip+

Zu Beginn muss man natürlich die Sensorsession starten und den Sensor auch kalibieren. Schön finde ich, dass die Session nicht wie beim originalen Receiver nach 7 Tagen beendet wird sondern durchläuft. Der G4 Receiver kann übrigens parallel betrieben werden. Beide Devices “wissen”nichts voneinander.

Alle weiteren Einstellungen in der xDrip+ App zu erklären würde den Rahmen dieses Postings absolut sprengen. Deshalb überlasse ich das gerne jedem Anwender selbst die vielfältigen Einstellungen zu erkunden. Da das xDrip Kit keine Ladezustandsüberwachung hat, empfehle ich  die Funktion in der App zu deaktivieren. Ansonsten könnte es passieren, dass ihr wie ich in der ersten Nacht durch ein äußerst unangenehmes Warnsignal kerzengerade ins Bett gestellt werdet;-)

Sehr schön finde ich die komfortable Funktion die CGM Daten im SiDiary Format exportieren zu können. Das macht meine Dokumentation nochmal um einiges leichter. Außerdem kann man sich sehr komfortabel ein paar statistische Auswertungen anzeigen lassen um einen schnellen Ueberblick zu erhalten.

7 Tagesüberblick der xDrip+ Statistik

7 Tagesüberblick der xDrip+ Statistik. Alternativ kann auch noch ein Kuchendiagramm oder ein tabellarischer Überblick für wählbare Zeiträume angezeigt werden.

Ausblick – wie geht es weiter auf dem Weg zur “künstlichen Bauchspeicheldrüse?

Eigentlich habe ich so noch gar nicht viel gewonnen außer der Tatsache, das ich mich auf den Weg in eine neue Dimension des Diabetesmanagement gemacht habe. Jetzt trage ich statt des Dexcom Receivers ein Kästchen mit dem xDrip mit mir herum, das nicht wirklich kleiner ist als der Receiver. Zudem muss ich mein Smartphone immer bei mir haben um die Daten aufzuzeichnen und Warnungen zu empfangen. Natürlich soll das nur ein Zwischenschritt sein. Bis hierher war es recht einfach.

Sascha von Sugartweaks zeigt den weiteren Weg auf : Dana RS – ein Hersteller geht neue Wege

APS – Artificial Pancreas System – ist das Ziel


Der nächste Schritt wird es sein eine APS fähige Insulinpumpe zu bekommen. Das wird nicht so ohne Weiteres gehen. Meine jetzige Pumpe ist noch bis Januar 2018 in der Garantie und wird auch danach nicht so ohne Weiteres ersetzt solange sie funktioniert.
Ich werde mir aber die Dana R anschauen. Eine Pumpe, die mir in einigen Punkten gut gefällt und in anderen weniger aber derzeit die einzige in Deutschland verfügbare und als Neugerät erhältliche Pumpe, die vom Hersteller dafür vorbreitet ist in einem APS System verwendet zu werden. Die Nachfolgerin Dana RS ist bereits in Vorbereitung und man munkelt sie solle im Q2/2018 auf den Markt kommen. Hier kommt ein optimiertes Bluetooth zum Einsatz um den Batterieverbrauch zu reduzieren.
Gemeinsam mit der AndroidAPS App könnte die Dana dann als “künstliche Bauchspeicheldrüse” fungieren.

Infos zu AndroidAPS findet ihr hier : AndroidAPS

Wenn dann irgendwann noch mein inzwischen auch schon 3Jahre altes Dexcom G4 austauschreif sein wird, wäre ein G5 sehr nett um die Menge an Equipment, das man so mit sich herumträgt, zu reduzieren.

Es bleibt also spannend und Geduld ist gefragt. Ich bin überzeugt, dass es sich lohnen wird.

Wie siehst du diese neue Entwicklung? Ist das für dich genauso spannend?

 

 

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