Bolus ist nicht gleich Bolus (2)

Fortsetzung meiner kleinen Vergleichsreihe. Ich möchte gleich zu Beginn betonen, dass die Ergebnisse in dieser Form bei mir persönlich zustande kommen. Bei anderen Diabetikern kann das vollkommen anders sein. Deshalb diese Ergebnisse bitte nicht ohne weiteres auf eure Verhältnisse übertragen.

Heute möchte ich mir anschauen, ob es Vorteile bringt, einen Spritz-Ess-Abstand (SEA) oder für Pumpenträger einen Drück-Ess-Abstand (DEA) einzuhalten und wie sich ein gesplitteter Bolus mit SEA auswirkt.

Letzte Woche habe ich bereits dargestellt, wie das Ganze ohne SEA aussieht. Mit dem Ergebnis, dass ein gesplitteter Bolus geringfügig günstiger ausfällt, was die Steigung und die absolute Höhe des Anstiegs betrifft. Der Unterschied war aber nicht so entscheidend, dass ich deshalb nun ständig meine Boli splitten würde.

Für die weiteren Vergleiche habe ich also einen SEA gewählt. Aus Erfahrung weiß ich, dass ich ohne weiteres einen  30 Minuten SEA vertragen kann. Ich weiß aber auch, dass so ein SEA bisher keine besonders deutliche Wirkung hatte. Deshalb habe ich gleich einen SEA von 45 Minuten gewählt.
Eine Messung wieder mit einem einzelnen Bolus, eine Weitere mit einem in 3 gleiche Teile gesplittetem Bolus an 3 unterschiedlichen Stellen.
Ansonsten gleiche Ausgangslage, gleiches Essen und gleichhohe Dosis.

Es dauert in etwa eine halbe Stunde bis das Essen beginnt sich in Form eines Anstieges der CGM Kurve bemerkbar zu machen. Der Versatz der Kurven auf der Zeitachse zu Beginn des Anstieges kommt durch unterschiedliche Zeiten bei Mahlzeitenbeginn zustande.
Bei den folgenden Abbildungen ist ein Quadrat wieder 50mg/dl auf der vertikalen und 1 Stunde auf der horizontalen Achse. Der grüne Bereich kennzeichnet meinen Zielbereich von 80-130mg/dl.

Neu-Mo18rot-Mi20gelb

Rot : 45min SEA, ungeteilter Bolus
Gelb : 45min SEA, 3fach geteilter Bolus

Natürlich beginnt der Blutzucker  aufgrund des langen SEAs vor Mahlzeitenbeginn zum Teil deutlich zu sinken und eine weitere Ausdehnung des SEA halte ich nicht unbedingt für empfehlenswert. Dass das heikel werden kann, werden wir weiter unten sehen.
Wie schon beim Versuch letzte Woche sieht man, dass der gesplittete Bolus (gelbe Kurve) einen Vorteil bringt. Der maximale Wert ohne gesplittetem Bolus liegt bei 180mg/dl, der Wert mit gesplittetem Bolus bei 157mg/dl. Viel entscheidender ist für mich aber, dass ich viel schneller wieder im meinem Zielbereich bin. Auch die rote Kurve ist im weiteren Verlauf auf den gleichen Wert gefallen wie die gelbe, nur deutlich später. Was den leichten Anstieg rechts verursacht ist mir nicht klar, zeigt aber, dass trotz des Versuchs bester Vergleichbarkeit nicht jeder Tag ist wie der andere.
Eventuell könnte noch ich den Bolusfaktor zum Mittag etwas reduzieren damit der BZ nicht ganz so weit sinkt.

neuDo14rot-Fr15gelb-Mo18orange-Mi20grün-Do21Türkis

Diese Abbildung zeigt nochmal die BZ Kurven der 4 Spritzstrategien auf einen Blick.
Rot : kein SEA, ungeteilter Bolus
Gelb : kein SEA, 3fach geteilter Bolus
Orange : 45min SEA, ungeteilter Bolus
Grün : 45min SEA, 3fach geteilter Bolus

Ein Ergebnis, das mich selbst etwas überrascht, habe ich doch in der Vergangenheit mehrmals mit einem SEA experimentiert. Allerdings habe ich das Bolus Splitting bisher kaum angewendet, da ich ja eigentlich nur mit der Pumpe unterwegs bin.

Dass die Sache mit dem langen SEA insbesondere in Kombination mit dem wirksamen Splitten des Bolus nicht ganz ungefährlich sein kann, zeigt die folgende Abbildung.

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Gelb & Rot : 45min SEA, 3fach geteilter Bolus

Hier habe ich nochmal die grüne Kurve der letzten Abbildung überlagert mit der Kurve gleicher Spritzstrategie einen Tag zuvor.

Je nachdem, wie die Ausgangslage vor dem Spritzen ist, ob der Blutzucker steigt oder bereits fällt, oder man körperlich aktiv ist oder nicht, ob evtl. der Sport vom Vortag noch nachwirkt, kann man mit dieser Strategie natürlich ganz schnell in brenzlige Situationen kommen. Die abfallende rote Kurve zeigt ganz klar das hier nicht mehr wirklich viel Spielraum war den Mahlzeitenbeginn weiter hinauszuzögern. Hyposymptome waren bereits deutlich zu spüren.
Das Ganze fand in einer gut kontrollierbaren Situation statt. Wie schnell so eine Situation aber außer Kontrolle geraten kann, wenn man zum Beispiel auf der Arbeit in genau dem entscheidenden Moment doch noch durch irgendetwas vom Essen abgehalten wird, kann sich jeder vorstellen.

Deshalb rate ich hier dringend den Bogen nicht zu überspannen.
Denkbar wäre es zum Beispiel, gleich mit dem Spritzen einen Happen der Mahlzeit einzunehmen um den Abfall etwas zu bremsen. Das ist aber keine universell anwendbare Lösung.
Wahrscheinlich macht es mehr Sinn den SEA schlicht nochmal zu reduzieren.

Mal schauen, ob ich in absehbarer Zeit so etwas testen kann.
Bon weekend

Fortsetzung hier

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