Antje trifft ins Schwarze

Wieder einmal. Zumindest bei mir. Schon ziemlich oft hat sie einen Blogpost geschrieben, bei dem ich während des Lesens das Gefühl hatte, dass ich ihn selbst geschrieben haben könnte. Zumindest inhaltlich. So auch bei ihrem Post unter folgendem Link :

Ja , ich darf alles essen aber ist es auch wirklich schlau ?

Die Flexibilität, die uns moderne Therapiemöglichkeiten heute im Vergleich zu früheren Generationen von Typ 1 Diabetikern geben, erscheinen uns als Segen. Sie sind aber zugleich auch ein Fluch.
Im Idealfall schaffen wir es mit unserer Therapie die Funktion unserer ausgefallenen Betazellen nachzuahmen und dieses Defizit auszugleichen.  D.h. wir können alles essen und trinken, was uns schmeckt und müssen uns nicht von „zuckerhaltigem“ fernhalten. Wir müssen uns nicht an festgelegte Mahlzeiten halten, wir können mehr essen aber auch Mahlzeiten ausfallen lassen.
So weit, so gut. Damit haben wir aber nichts anderes erreicht als das, was stoffwechselgesunde Mitmenschen von Natur aus haben. Das nimmt uns beim Thema Ernährung nicht aus dem Rennen. Die gleichen Probleme die Nichtdiabetiker durch eine nicht optimale oder schlechte Ernährung bekommen, die bekommen auch wir Typ1er.

Als Diabetiker hat man aber einen Vorteil. Denn wir sind schon aufgrund der Tatsache, dass wir die Insulindosis berechnen müssen, etwas tiefer in der Materie als der Durchschnittsbürger. Außerdem sehen wir was Nahrung mit unserem Blutzucker anstellt weil wir ihn mehrmals am Tag messen müssen und das Ganze wird nochmals deutlicher wenn man ein kontinuierliches Messgerät nutzt.

Täglich beobachte ich, was zucker- und stärkehaltige Lebensmittel in meinem Stoffwechsel auslösen können. Weiter unten in meinem Blog kann man nachlesen, welche Einflüsse eine kohlenhydratarme Ernährung auf unseren oder zumindest auf meinen Stoffwechsel hat und wie sich die Auswirkungen von denen einer kohlenhydratbetonten Ernährung unterscheiden.
Seit meinen Low Carb Versuchen bin ich davon überzeugt, dass unsere normale Nahrung bzw. das was uns die Fachgesellschaften wie die DGE bzw. die DDG als Ernährungsstil empfehlen nicht das optimale ist und für die meisten Menschen viel zu viele Kohlenhydrate enthält.

Low Carb : Frittata mit Speck, Paprika, Frühlingszwiebeln, Cocktailtomaten und Mozzarella

Low Carb : Frittata mit Speck, Paprika, Frühlingszwiebeln, Cocktailtomaten und Mozzarella

Ich sitze zum Beispiel mindestens 8-10 Stunden pro Tag am Schreibtisch, dazu noch gute 2 Stunden im Auto. Wenn ich mich dabei überwiegend mit Kohlenhydraten ernähre, dann führe ich meinem Körper einen Treibstoff zu, der viel zu schnell viel mehr Energie liefert als ich in der Situation verbrauchen kann. Um diese Energie aus dem Blut wieder loszuwerden spritze ich dann Insulin mit dem Ergebnis, dass sie in meinem Speckgürtel landet wo sie dann auch verbleibt weil bei der nächsten Mahlzeit meistens das Gleiche passiert. Das ist ungefähr genauso clever als würde ich die Heizung voll aufdrehen und dann das Fenster öffnen, damit es nicht zu warm wird.

Ich möchte damit aber gar nicht die Kohlenhydrate generell verteufeln. Dafür gibt es viel zu viele kohlenhydratlastige Gerichte bzw. Lebensmittel, die ich sehr gerne esse und auf die ich ungerne komplett verzichten würde. Es kommt halt darauf an in welcher Situation ich die Kohlenhydrate zu mir nehme. Wäre ich ein Briefträger, der den ganzen Tag auf Achse ist, sähe das schon wieder anders aus.
Schlau ist es also die Heizung nur soweit aufzudrehen, dass die Energiezufuhr eine ausreichende Wärme zu erzeugt. Und dazu bietet es sich eben an in Sachen Ernährung flexibel zu sein und zu wissen, was man von den verschiedenen Lebensmitteln erwarten kann.

Für mich ist es aber auch wichtig, dass das alles im Einklang mit einem gewissen Genuss steht. Essen ist ja nicht nur eine Pflichtübung weil man essen muss, sondern Essen ist für mich eine ganz entscheidende Sache wenn es um Lebensqualität geht. Ohne gutes Essen, dazu passende Getränke und auch den Spaß an der Zubereitung des Essens, also Kochen und Grillen etc., ja sogar das Einkaufen, würde mir in meinem Leben etwas sehr Wichtiges fehlen.
Die Schwierigkeit liegt darin beides unter einen Hut zu bringen, so dass sowohl der Vernunft als auch der Lebensqualität entsprechend Rechnung getragen wird.  Wie schwierig das ist, weiß ich aus eigener Erfahrung. Schon mein ganzes Leben lang gehöre ich zu den Menschen, die schon zunehmen, wenn sie über Schokolade sprechen – oder zumindest den Eindruck haben, dass es so ist. Das hat sich durch den Diabetes nicht geändert.

Was sich geändert hat ist meine Sichtweise. Mit den Erkenntnissen und Erfahrungen die ich seit meiner Erkrankung gesammelt habe, versuche ich der Problematik zu begegnen. Anfangs habe ich tatsächlich immer alles gegessen, weil ich es ja „wegspritzen“ konnte. Ich musste aber dann feststellen, dass die vielen vielen Kilos, die ich durch meine Stoffwechselentgleisung fast schlagartig verloren habe peu a peu wieder zurückkommen. Trotz deutlich gesteigerter sportlicher Aktivität.

Ich esse nach wie vor alles. Aber eben anders als zuvor. Ich versuche mehr Priorität auf die Qualität statt auf die Quantität zu legen. D.h. ich esse langsamer (ok, ich versuche langsamer zu essen 😉 ), ich genieße bewusster und ich versuche mein Gefühl  für das wirkliche „satt sein“ wiederzufinden.

Eine entscheidende Änderung aber betrifft die bereits erwähnte Erfahrung mit den Kohlenhydraten. Ich versuche Kohlenhydrate einzuschränken oder sogar ganz zu vermeiden, weil ich festgestellt habe, dass dabei einerseits mein Blutzuckermanagement wesentlich einfacher und fehlertoleranter ist und andererseits mein Gewichtsmanagement deutlich leichter ist. Das bedeutet, je weniger Kohlenhydrate desto weniger Insulin brauche ich und Insulin, dass nicht verabreicht wurde sorgt eben auch nicht dafür, dass überschüssige Nahrungsenergie in den Speckgürtel eingelagert wird und von dort nur noch mühsam wieder entfernt werden kann.

Ich verzichte aber nicht komplett auf Kohlenhydrate.  Wenn ich Lust auf Pasta habe oder ein leckeres Brötchen, dann gönne ich mir das. Aber eben bewusst und nicht mehr so oft. Umso größer ist dann der Genuss und die Freude. Ich weiß wofür ich es tue und das ist meine Motivation.

Für mich ist das ein guter Kompromiss der beide Seiten entsprechend berücksichtigt. Und glaubt jetzt nicht, dass der Genuss vollkommen auf der Strecke bleibt, wenn man mal keine Kohlenhydratehaltigen Lebensmittel zu sich nimmt. Mir fällt da genug ein, was ich auch ohne Brot, Kartoffeln, Reis oder Nudeln gerne esse.

Was ich damit sagen will, man kann vieles verbessern oder optimieren ohne gleich in der Ausschließlichkeit zu enden.

In diesem Sinne Bon Appetit.
Stefan

 

Rezept für die Frittata :
Für 4 Personen braucht man
– 8 Eier
– 200ml Sahne
– 150g Rauchfleisch (Bauchspeck oder so etwas)
– 1 Bund Frühlingszwiebeln
– 1 handvoll Cocktailtomaten
– 2 Paprikaschoten (rot und grün für die Optik)
– 1 Kugel Mozzarella
– 1 Bund Petersilie
– 1 Bund Schnittlauch
– etwas geriebenen Käse
– Salz, schwarzer Pfeffer und evtl. ein paar Chilliflocken

Zubereitung :
Die Eier mit der Sahne und der gehackten Petersilie verquirlen. Etwas Salz, Pfeffer und evtl. ein paar Chilliflocken zugeben, aber Vorsicht, je nachdem wie salzig der Speck ist kann es schnell zu viel werden. Dann in einer großen, ofenfesten Pfanne den Speck, die kleingeschnittenen Frühlingszwiebeln und die kleingeschnittenen Paprikaschoten andünsten. Die Eimasse darüber gießen, die halbierten Cocktailtomaten und den gewürfelten Mozzarella darüber verteilen. Das Ganze bei schwacher Hitze noch einen Augenblick stocken lassen und dann für 20 Minuten in den auf 180 Grad Celsius vorgeheizten Backofen geben. Kurz vor Schluss nach Wunsch noch etwas geriebenen Käse darüber geben. Servieren in Form eines Tortenstückes mit darüber gestreuten Schnittlauchröllchen und grob gemörsertem schwarzem Pfeffer garnieren.

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